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Warum es sich lohnt, sich selbst lieben zu lernen

Selbsliebe und Selbstbewusstsein stärken

„Fang an, dich selbst zu lieben“ ist eine Phrase, die man in Zeiten von Leistungsdruck, Facebook und Instagram leicht missverstehen oder gar nicht verstehen kann. Was Selbstliebe von Selbstsucht (Eigenliebe) unterscheidet und warum wir anfangen sollten, uns aufrichtig selbst zu lieben, das lest ihr hier.

 

Eigenliebe: ein Schönwetter-Freund

Wenn man mich fragen würde, wie man zwischen Selbstliebe und Eigenliebe (Selbstsucht) unterscheidet, dann würde ich sagen, dass der Zeitpunkt und die Qualität den Unterschied machen. Eigenliebe tritt zutage, wenn wir uns besonders toll finden, oder zufrieden mit dem sind, wie wir aussehen. Wenn wir etwas erreicht haben und dafür gerade die Bestätigung von anderen bekommen haben, dann fühlen wir uns geliebt und anerkannt, wir könnten in diesem Zustand vielleicht sogar kurz mal die Welt erobern. Und weil wir immer damit beschäftigt sind, unser Ego zu füttern, produzieren wir mehr, von dem, was uns mit Anerkennung, Liebe, Likes, guten Noten und Belohnungen versorgt.

Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass man auf diesem Trip nur mit sich selbst beschäftigt ist und die Bedürfnisse von anderen auch leicht mal vergessen kann. Je mehr wir erreichen, desto größer wird auch die Angst, dass andere den eigenen Erfolg etc. schmälern könnten. Wir jagen dem schönen Gefühl hinterher, bestätigt zu werden und neigen dazu, uns davon abhängig zu machen.

Wenn uns Leute oder Bewertungssysteme mal nicht die Bestätigung geben, die wir uns wünschen, können sie uns leicht aushebeln. Wenn unsere Welt dann hin und wieder im Stillen zusammenbricht, fühlen wir uns allein. Wir hängen in den Seilen wie eine Marionette, die wieder von anderen aufgehoben werden muss. Doch Likes gibt es nur bei vorzeigbaren Resultaten. Fühlen wir uns verloren, zeigt die Eigenliebe ihre traurigste Seite: Sie ist immer von der Befürwortung anderer und den persönlichen Errungenschaften abhängig. Ein Schönwetter-Freund sozusagen, der bei Sonnenschein dabei hilft, das Ego auf Hochglanz zu polieren und uns im Regen fallen lässt, wie eine heiße Kartoffel.

Selbstliebe ist die Grundlage für jegliches Selbstbewusstsein

Ob die echte Liebe zu uns selbst existiert, zeigt sich genau dann, wenn wir am Boden liegen. Wenn sich keiner dafür interessiert, was im Leben gerade schief geht. In solchen Momenten ist sie da und kann einem die Kraft geben, die Trümmer wegzuräumen und von selbst wieder aufzustehen. Wenn wir innerlich durchhängen, kommen wir mit einem liebevollen Umgang am nächsten an uns selbst heran. Gut gemeinte Sätze von anderen wie: „Du bist schön“, „du bist gut, so wie du bist“, „du kannst alles schaffen“, „jedem passieren mal Fehler – Schwamm drüber“  sind dann eher wirkungslos. Wirkungslos, weil sie nur von einem Ohr zum anderen hetzen und gar nicht im eigenen Herzen ankommen. Man kann die Worte nicht fühlen, weil man das wahre, verletzliche, fehlerbehaftete „Selbst“ weggesperrt hat und alles abprallt.

Wenn wir uns auch in Momenten größter Fehler oder des vermeintlichen Misserfolgs annehmen und wie eine gute Freundin oder einen guten Freund behandeln, dann öffnen wir unserem Selbst ein Türchen und strecken ihm einen kleinen Finger entgegen. Die schlimmsten Gefühle sind wohl, zu versagen, weil eigene oder erwartete Ziele verfehlt wurden. Oder wenn man selbst jemanden verletzt hat – und sich das nicht verzeihen kann. Genau dann zu sich selbst zu sagen: Das Leben besteht aus Trial und Error, nächstes Mal läuft es besser! Das würde ich als Liebe zum Selbst bezeichnen. Eine Liebe, die uns aufhebt, wenn wir sie am meisten brauchen. Eine Liebe, die wir objektiv vielleicht gar nicht verdient haben. Eine Liebe, die da ist, auch wenn die Mutter, Freunde etc. nicht  helfen oder einen bestätigen können. Eine Liebe, die mit uns in unsere Abgründe schaut, und guckt, welche Leichen noch so im Keller liegen. Die mit uns aufräumt und überlegt, wie wir eine Evolution unseres Selbst so schnell wie möglich beginnen können.

Warum wir uns selbst lieben sollten

Wenn wir uns selbst bewusst werden, welche Ängste und Fehler wir haben und wie wichtig es ist, sie anzunehmen und sie uns selbst nachzusehen, dann ist es einfacher, unser Umfeld mehr zu akzeptieren. Vielleicht fällt es uns auch leichter, weniger eifersüchtig zu sein .Warum sind wir dann weniger eifersüchtig? Weil wir nicht so sehr diese Angst haben, das andere besser, schöner oder angesehener sind. Wir geben uns die Bestätigung, die wir brauchen schließlich selbst.  Die schönste Nebenwirkung der Selbstliebe ist für mich also die Unabhängigkeit. Egal, welches Leben man lebt, eines mit einer glücklichen Kindheit, in einer tollen Familie oder eines ohne Anerkennung seitens der Familie im Job, man muss niemanden mehr für sein eigenes Schicksal verantwortlich machen, weil man sich alles an Liebe geben kann, was man in der Vergangenheit vermisst hat.  Vielleicht werden andere auch davon inspiriert, sich verletzlich zu zeigen und zu dem zu stehen, was sie wirklich sind und fühlen -nämlich nicht abhängig oder ein Opfer von irgendwas oder irgendwem. Ich sage nicht, dass sich selbst lieben leicht ist. Aber um darin immer besser zu werden, hat uns das Leben zum Glück viele Jahre zum Üben geschenkt. In jedem von diesen können wir 365 Mal aufs Neue anfangen.

Jeder Mensch hat eine Daseinsberechtigung

Mittlerweile glaube ich fest daran, dass jeder auf dieser Welt eine Aufgabe hat und wenn wir liebevoll nachfragen, wie wir mit unseren Fähigkeiten am besten Werte schaffen können, dann zählt am Ende doch nicht mehr, wer am schnellsten, höchsten, weitesten oder tollsten ist. Dann zählt viel mehr, dass wir unsere Aufgabe hier tun und dabei immer auf uns und unser Umfeld acht geben. Und wenn wir Hilfe brauchen, dann ist es ja auch ok, danach zu fragen und sich nicht für kleine Lücken zu schämen. Anders herum sind wir selbst auch eher bereit, anderen zu helfen, weil wir ja eigentlich nichts zu befürchten haben.

Der schönste Spruch, der mir zu diesem Thema einfällt, ist: Im Leben geht es nicht darum, sich zu finden, im Leben geht es darum sich zu kreieren.

Und weil wir selbst (ich schließe mich da nicht aus) viel zu oft zögern, Dinge zu tun – eben weil wir denken, dass wir es nicht gut genug können und überlegen, was andere davon halten könnten – gehen täglich viele kreative oder liebevolle Handlungen verloren. Wenn wir uns mit dem, was wir kreieren, mehr und mehr annehmen und lieben, dann können wir einen riesen Unterschied machen. Unabhängig davon, ob wir bei anderen damit ankommen oder nicht. Wenn wir es für uns selbst tun und es niemanden schadet, dann kann es doch nichts anderes als genau das Richtige sein.

 

Love yourself more. And love more. Love is why we are here.

Eure Anne

 

 

 

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