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MS mit 23 und heute symptomfrei: Wie mich meine Krankheit stark gemacht hat!

Jasmin führte ein ganz normales Leben, bis sie mit 23 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose bekam. Statt ihr Hoffnung zu machen, prognostizierten die Ärzte, dass sie früher oder später im Rollstuhl landen würde. Warum sie heute symptomfrei, das erzählt sie euch im Interview.

Jasmin kommt aus Österreich und lebt im Burgenland. Heute, mit 39 Jahren, kann sie von sich behaupten, ein glückliches Leben zu führen. Sie ist aus vollem Herzen Wellness- und Pilatestrainerin sowie kinesiologische Beraterin. Sie hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Menschen auf ihrem eigenen Heilungsweg zu helfen. Bisher wussten ihre Klienten nicht, was sie gesundheitlich vor Jahren erleben musste und überwunden hat. Bestärkt durch das Gefühl, die Menschen tiefer ansprechen zu können, wenn sie über ihre eigenen Erfahrungen spricht, hat sie sich dafür entschieden, mit einem Interview an die Öffentlichkeit zu gehen.

Jasmin, deine Krankheit hat dich heute zu einem neuen, stärkeren Menschen gemacht. Doch wie sah dein Leben vor deiner Diagnose aus?
Bis zu meiner Diagnose ging ich einem ganz normalen Leben nach. 12 Jahre lang arbeitete ich in Wien, erst im Verkauf und dann im Büro. Die Büroarbeit hat mich nicht glücklich gemacht.
In dieser Zeit bin ich dann leider auch krank geworden.jasmin

Wie hast du gemerkt, dass etwas mit dir nicht stimmt? Was sind die ersten Anzeichen der MS gewesen?
In den letzten zwei Jahren vor der Diagnose habe ich mich ständig nicht gut gefühlt. Ich lief zu meinem Hausarzt und der schickte mich weiter von Arzt zu Arzt. Keiner konnte heraus finden, was ich hatte. Am Ende kamen alle zu dem Schluss, dass mein Unwohlsein einfach psychisch bedingt sei.

Das ist nicht gerade eine zufriedenstellende Diagnose!
Nein, im Gegenteil! Aber ich habe innerlich gewusst, dass es nicht nur rein psychisch sein kann und etwas dahinter stecken musste. Weil niemand auf meine Symptome eingehen konnte, bin ich im Jahr 2000 noch stärker erkrankt. Die Symptome äußerten sich in Form von Sehstörungen, Schwindelattacken und Taubheitsgefühlen im Gesicht und auf der Zunge.

Die Symptome klingen sehr ernst. Was hast du dann unternommen?
Mir blieb ja nichts anderes übrig als wieder zu den Ärzten zu gehen. Erst sprach ich bei meiner Augenärztin vor. Sie stellte die Vermutung auf, dass eventuell etwas mit meinem Gehirn nicht richtig funktionierte. Sie riet mir, einen MRT machen zu lassen. Im MRT hat man sehr viele Läsionen (geschädigtes, entzündetes Gewebe) in meinem Gehirn festgestellt. Mit diesem Befund schickten mich die Ärzte in das Wiener Allgemeine Krankenhaus. Sie haben mich sofort dort behalten.

Sie haben dich wegen der Entzündungsherde im Gehirn im Krankenhaus behalten, aber wussten die Ärzte denn diesmal, wie sie dich behandeln sollen?
Nein. In dieser Zeit nahm die Odyssee erst so richtig Fahrt auf. Ich wurde dort sechs lange Wochen stationär behandelt. Ich ließ mehrere Tests und Therapien über mich ergehen. Ich habe mich gefühlt wie ein Versuchsobjekt und bekam die typische Therapie bei Verdacht auf Multiple Sklerose (MS): Cortison.  Gleich schon in den ersten Tagen, intravenös. Fünf Flaschen in fünf Tagen.

Fünf Flaschen Cortison in fünf Tagen. Das ist viel. Wie hast du auf die Therapie reagiert?
Die Symptome sind dadurch verschwunden, aber diese Therapie habe ich überhaupt nicht vertragen, im Gegenteil, sie hat mich fast umgebracht. Ich wurde mit „Astronautenkost“ wieder ins Leben zurückgeholt, die Ärzte haben wirklich um mich gekämpft.

Dein Leben stand auf der Kippe. Welche Nebenwirkungen sind während der Cortison-Therapie bei MS aufgetreten?
Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen. Ich konnte nicht einmal ein Glas Wasser trinken. Das ist alles sofort  wieder hochgekommen. Woher die Nebenwirkungen kamen, konnte mir keiner sagen. Als wäre das noch nicht genug, erlitt ich noch im Krankenhaus einen Schlaganfall, eine Blutung im Gehirn und war halbseitig gelähmt. Und weil die Ärzte die halbseitige Lähmung auf die MS schoben, fingen sie erneut an, mich mit Cortison zu behandeln. Diesmal mit der schnellen Einsicht, dass es wirklich nicht hilft.

Und wie ging die Therapie weiter?
Sie versuchten es nun mit einer Plasmapherese. Über mehrere Sitzungen hinweg wurde mein Plasma ausgetauscht und diese Blutreinigung begann zu helfen. Die Halbseitenlähmung ging langsam zurück und ich konnte meinen Körper wieder Schritt für Schritt bewegen. Mit Physiotherapie und Ergotherapie habe ich es geschafft und wurde nach sechs Wochen entlassen. Die Ärzte sprachen plötzlich ganz deutlich aus, worüber sie vorher geschwiegen hatten: „Sie haben MS!“

Und was haben sie dir diesmal bei der Diagnose MS empfohlen?
Sie sagten zu mir: „Sie haben Ihre Krankheit in der Hand. Wenn Sie bestimmte Regeln einhalten, dann bleibt die MS bei etwa 30 Prozent Intensität, wenn nicht, dann landen Sie mit 30 sicher im Rollstuhl.“ Der Schock saß ziemlich tief. Sie gaben mir eine Liste, mit Dingen, die ich unterlassen sollte. Kurz: alles, was für mich die Lust am Leben ausmachte. Ich sollte plötzlich Plätze mit vielen Menschen meiden, ich sollte nicht mehr abends tanzen gehen und ich tanze doch so wahnsinnig gern. Nicht mehr in Lokale, nicht mehr in die Sonne. Wenn es Probleme mit dem Partner gibt, den Partner verlassen, wenn der Job nicht passt, den Job wechseln. Alles das, was negativ ist,  sollte ich aus dem Leben streichen. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah.

Welche Therapie haben dir die Ärzte neben der Listenoch verordnet?
Weil sie gemerkt haben, dass Cortison bei mir keine Erfolge brachte, wurden mir zusätzlich noch über zwei Jahre alle drei Monate eine Chemotherapie verabreicht. Dadurch sollte mein Immunsystem außer Gefecht gesetzt werden, denn bei MS greift das Immunsystem den Körper an. Das schwächte mich zusätzlich. In dieser Zeit war ich schwerst depressiv und dachte, mein Leben sei jetzt vorbei.

Wie bist du mit diesen Einschränkungen und Empfehlungen umgegangen?
Damals war ich extrem auf der Welle, dass die Schulmedizin alles ist. Ich konnte glücklicherweise  weniger Stunden arbeiten. Aber meine Tage bestanden nur noch aus arbeiten und nach Hause gehen. Arbeiten und nach Hause gehen. Mein Leben war total eingeschränkt. Das war kein Leben.

Wie kam der Sinneswandel und wie bist du auf deinen Heilungsweg gestoßen?
Ich habe irgendwann beschlossen, nicht mehr im Büro zu arbeiten. Ich wollte etwas mit Menschen machen. Menschen helfen. Deshalb bewarb ich mich um eine Ausbildung zur Diplom-Sozialarbeiterin. Ich wurde dort aber nicht genommen. Glück im Unglück, denn so fand ich die Ausbildung zum Wellness- Entspannungstrainer und konnte damit beginnen.

Ich belegte das Fach „Mentaltraining“ und entdeckte diese Disziplin für mich. In den Sessions bearbeitete meine Mentaltrainerin mit uns unsere ganz persönlichen Themen. Ich hatte natürlich gleich ein schweres Thema, meine MS. Die Trainerin war diejenige, die mich auf die mögliche Ursache meiner MS stupste. Sie hat das Ganze nicht aus medizinischer Perspektive betrachtet, sondern hat auch die seelischen Aspekte, die mit meiner Krankheit zusammenhängen könnten, ins Zentrum gerückt.

Deine Mentaltrainerin hat dich auf einen neuen Heilungsansatz gebracht. Welcher war das?
Sie hat mich darauf gebracht, dass der Grund für meine Krankheit in der Vergangenheit zu finden ist. Das war für mich ein entscheidender Moment, denn: Ich hatte eine schwierige Kindheit. Sie hat mir erklärt, dass die MS als Krankheit zu mir gekommen ist, weil ich nicht mehr konnte. Ich bin deswegen ausgestiegen und plötzlich sollten einmal alle auf mich schauen. Sie hat gemeinsam mit mir nach der Ursache gesucht. Sie gab mir verschiedenste Tipps, unter anderem einen neuen Glaubenssatz:  

ICH LIEBE MICH BEDINGUNGSLOS (Wenn du dich selbst bedingungslos liebst, dann kann dich keiner mehr verletzen)

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Wie hat dein neuer Glaubenssatz dein Leben beeinflusst?
In den kommenden Wochen habe ich mich mit dem neuen Wissen auseinandergesetzt. Ich habe angefangen, Krankheiten anders zu sehen. Im Nachhinein weiß ich, dass ich mich durch diese Lehrerin sehr verändert habe. Und das in einer halben Stunde! Meinen Glaubenssatz habe ich überall in meiner Wohnung aufgehängt. Sie hat bei mir einen Schalter umgelegt. Mir geht es heute gut. Ich habe keine Schübe mehr und bin gesund.

Wie lange hat es gedauert, bis es dir besser geworden ist?
Ich habe Chemotherapie bekommen und diese hat meine Schübe unterdrückt. Geistig bemerkte ich aber, dass es mir vor allem durch die neue Sichtweise auf mich und mein Leben stetig besser ging. Ich habe mir erlaubt, wieder in die Sonne oder ins Solarium zu gehen, ich bin wieder weggegangen – ohne Angst. Ich habe mein Leben wieder angefangen zu genießen. Ich habe gelernt, NEIN sagen zu können auf mich zu achten. Das hat aber gedauert – mein Selbstbewusstsein ist langsam stärker geworden. Durch meine Krankheit habe ich mich verändert – im positiven Sinne.

Gab es noch eine Nachuntersuchung?
Ich habe nie wieder ein MRT machen lassen. Ich bin dann nur noch meinem Bauchgefühl gefolgt. Meine Entzündungswerte habe ich im Rahmen eines Bluttest kontrollieren lassen. Und es gab keine Auffälligkeiten mehr. Es wies nichts mehr auf erhöhte Entzündungswerte hin.

Neben deinen Glaubenssätzen  – was hat noch zu deiner Heilung beigetragen?
Ich habe viele Bücher verschlungen, vor allem Bücher von Louise Hay, Tepperwein und Rüdiger Dahlke.

Wie hat dich deine Ausbildung zur Trainerin, deine neue Berufung und dein Heilungsweg verändert?
Ich bin nach der Ausbildung zur Wellness-Trainerin auch noch Pilates-Trainerin geworden.

Und hatte immer stärker das Bedürfnis, Menschen zu helfen. Ich habe den Menschen aber nie gezeigt, wie ich mich selbst geheilt habe. Wie es mir ging und wie mir Mentaltraining und Kinesiologie geholfen hat. Ich möchte, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe und die einen ähnlichen Weg gehen (müssen), den Mut nicht verlieren. Und ich möchte sie wissen lassen, dass es noch weitere Alternativen zur Schulmedizin gibt.

 

Xundbleiben Jasmin Jost

Hat mit Xundbleiben ihre Berufung gefunden: Jasmin Jost

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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„Jeder denkt mal, dass woanders alles besser ist“ – Ein Interview mit Boy

Von Hamburg in die weite Welt: Das deutsch-schweizerische Popduo BOY ist mit seiner ersten Platte „Mutual Friends“ einmal um den Globus getourt. Bekannt machte sie vor allem der Song „Seven little numbers“. Ob New York oder Tokio: Das Publikum war verliebt in diesen Ohrwurm. Nach dem Riesenerfolg verschwanden Sängerin Valeska Steiner und Musikern Sonja Glass für eineinhalb Jahre von der Bildfläche. Sie schrieben ihre vielen Erfahrungen auf und mischten sie mit modernen Beats. Es sind tiefgründig-melodische Popsongs zum Mitwippen, Nachdenken und Schmunzeln entstanden. BOY über den Beginn ihrer Karriere, Social Media und die Schönheit des Alltags.

 

Euren Radio-Hit „Seven Litte Numbers“ hat man immer noch in den Ohren. Das ist jetzt circa zwei Jahre her. Wie würdet ihr die Musik beschreiben, die ihr heute macht?

Valeska: Es ist immer noch Popmusik. „We wer here“ ist ein wenig melancholischer als das erste Album, aber es ist nicht so schwer, dass es einen herunter zieht. Die Grundstimmung bleibt positiv.

 

Warum ist es melancholischer als das erste Album?

Sonja: Wir haben viel erlebt und sind älter, ein bisschen reifer geworden. Für mich fühlen sich die Songs ernsthafter und nicht mehr so verspielt an.

Valeska: Ja. Beim ersten Album gab es ein euphorisches Thema: Die Aufbruchstimmung. Ich bin von Zürich nach Hamburg gezogen. Ich wusste nicht, was mich da genau erwartet.

 

Ihr ward gemeinsam auf großer Welttournee. Wofür seid ihr besonders dankbar?

Sonja: Für uns ist ein heimlicher Wunsch in Erfüllung gegangen. Man traut sich so etwas gar nicht, laut vor anderen zu sagen: Wir wollten unbedingt einmal in unserem Leben in Amerika spielen. Und das ist plötzlich Wahrheit geworden.

Valeska: Für mich war es so schön zu sehen, dass wir zwar an andere Orte gereist, aber immer die gleichen gewesen sind. Die Songs immer die gleichen waren. Dass unsere Musik plötzlich eine Verbindung zu fremden Menschen geschafft hat. Und ein unbekanntes Publikum unsere Lieder singen konnte. Das war überwältigend.

 

Egal, ob in Deutschland oder Japan, eure Musik hat die verschiedensten Menschen zusammen gebracht.

Sonja: Ja, genau. Man lebt tausende Kilometer von einander entfernt und trotzdem beschäftigen sich die Leute mit den gleichen großen und kleinen Gefühlen.

 

Seid ihr auch privat noch weiter gereist?

Sonja: Nein, dafür fehlte die Zeit. Aber es gibt jetzt noch viel mehr Orte, die wir besser kennenlernen wollen.

 

Und während eurer längeren Schaffens-Pause?

Valeska: Nein.

Sonja: Jein. Ich war mal für 10 Tage in New York, aber weiter weg nicht.

 

Woran lag das?

Sonja: Wir haben ehrlich gesagt sehr viel gearbeitet. Wir sind langsame Schreiber. Wir schreiben erst zu viel, um dann auszusortieren, schauen genau hin, was uns bewegt, was uns wichtig ist.

 

Das klingt wirklich zeitintensiv…

Sonja: Unsere Texte sind wahrscheinlich so aufwendig wie eine Forschungsarbeit.

 

Der Song „New York“ erzählt von der Sehnsucht nach Abenteuer. Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Geschichten, wenn es mal nur normal zugeht?

Valeska: Am besten kann man von Sachen erzählen, die man kennt, die einem nah sind. Wenn man da genauer hinsieht, merkt man dann, dass man überhaupt gar nicht so viel suchen muss. Etwas Großes wollen muss. Jeder denkt mal, dass woanders alles besser ist. Wahrscheinlich sogar die Menschen in New York. Vor der eigenen Haustür passiert aber auch genug.

 

In „Hit My Heart“ habt ihr euch mit Facebook und co. auseinander gesetzt. Wieso hat euch das so beschäftigt?

Valeska: Es gibt eigentlich größere Probleme in der Welt. Die sozialen Medien sind aber ein Phänomen unserer Zeit, an dem man nicht vorbei kommt. Wir leben in diesen zwei Welten. Online zeigt man sich so, wie man gesehen werden will. Und offline sieht es vielleicht ganz anders aus. Bei einem selbst entsteht dann dieses Gefühl: Überall ist es so toll, nur bei mir irgendwie nicht.

 

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Credit: Debora Mittelstaedt

Wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen?

Sonja: Ich habe von 12 bis 18 Cello gespielt. In der Klassik habe ich mich aber nicht so wohl gefühlt. Ich habe schon früh Songs auf einem Vielspurgerät aufgenommen. Das gibt es heute gar nicht mehr. Erst mit Anfang zwanzig habe ich richtig angefangen, Musik zu produzieren. Also relativ spät.

 

Und wie fing bei dir alles an, Valeska?

Valeska: Das Klavier brachte mich zur Musik. Mein Lehrer hat meine Kreativität sehr gefördert, weil er nicht auf Noten fixiert war. Mit 13 habe ich angefangen, Gesangsstunden zu nehmen. In meiner Freizeit habe ich immer in Bands gesungen, Songs gecovert und auch selbst geschrieben. Nach meinem Abitur habe hab ich gekellnert und lebte mich in unterschiedlichen Stilrichtungen aus. In Elektro-Projekten oder als Backround-Sängerin in einer afrikanischen Band. Danach wusste ich, das ich eigentlich Popmusik machen möchte.

 

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Valeska: Textlich hatte ich ein Aha-Erlebnis, als ich mir Susan Vega anhörte. Das war eine Musik, die auf eine andere Art und Weise etwas erzählt. So richtige Geschichten.

 

Hab ihr ein persönliches Ritual, bevor ihr auf die Bühne geht?

Sonja: Ich brauche immer ein bisschen Ruhe und Zeit für mich. Ich will lieber gar nicht wissen, wie viele Leute gekommen sind. Das macht mir eher Angst.

Valeska: Ich bin das genaue Gegenteil. Ich gehe vor Konzerten super gerne noch einmal durch den Raum und schau mir die Menschen an. Ich möchte dann gar nicht sprechen, nur schauen. So fühle ich mich besser vorbereitet für den Moment, in dem ich die Bühne betrete. Leider ist das nicht immer möglich.

 

Und wenn ihr vor dem Publikum steht, wie geht es euch dann?

Valeska: Dann baut sich das Vertrauen meist innerhalb des ersten Songs auf und die Aufregung verfliegt.

Sonja: Das ist der Idealfall, ja. Das Schlimmste ist aber, wenn man erst auf der Bühne aufgeregt wird. Dann ist man so fahrig. Das passiert Gott sei dank nicht so oft.

 

Und wenn die Stille nach dem Konzert kommt, wie fühlt sich das an?

Sonja: Manchmal ist es sehr absurd. Man fühlt sich sehr weit weg von zu Hause. Das kann aber auch vor Publikum passieren. Es gibt so Tage, an denen ich lieber unter der Bühne stehen würde.

Valeska: Wenn man zwei Monate auf Tour ist, ist man eben nicht jeden Abend gleich in der Stimmung, auf die Bühne zu gehen.

 

Und was tut ihr, wenn euch das Heimweh übermannt?

Ein Teil unserer engsten Freunde reist mit uns mit. Für uns ist die Band also auch ein bisschen wie ein Zuhause. Da haben wir großes Glück. Aber sonst schreiben wir E-Mails, telefonieren. Und halten so den Kontakt nach Hause aufrecht.

 

Was verbindet ihr mit Heimat?

Valeska: Ich habe mittlerweile zwei Zuhause Zürich und Hamburg. Bei mir ist es aber hauptsächlich von den Personen abhängig. Ich liebe meine Wohnung in Hamburg aber auch total. Und ich liebe die Landstraße in Zürich, wo ich immer Menschen treffe, die ich kenne. Die Straße ist im Zürcher Rotlichtviertel, ein verruchter Ort. Aber dort gehen immer alle aus.

 

 

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Habt ihr noch andere Träume, die ihr euch gern erfüllen wollt?

Sonja: Das ist eine schwierige Frage. Eigentlich wollte ich immer unbedingt ein eigenes Album zu machen.

 

Da ist ja jetzt schon ein Haken dran.

Sonja: Stimmt. Und das entspannt uns. Wir haben so vieles erlebt, was uns nicht mehr genommen werden kann. Und jetzt schauen wir einfach, wie es weiter geht.

 

Wir drücken euch auf jeden Fall die Daumen! Vielen Dank für das schöne Interview!

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Sie verwandelt Verbote in Liebesbotschaften: die Künstlerin Barbara

Ob Schilder, Plakate oder Infotafeln: Die Künstlerin Barbara verwandelt jedes Verbot in eine Liebesbotschaft. Seit diesem Jahr gibt es ihr Fotobuch: Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle zu kaufen. Ich habe Barbara für euch interviewt. Anonym – versteht sich.

Barbara, bei welchem Schild kam Ihnen zum ersten Mal die Idee, die Buchstaben tanzen zu lassen und den Sinn der Schilder zu verändern?

Ich glaube das war ein „Eltern haften für ihre Kinder“- Schild und ich hab „Eltern lieben ihre Kinder“ draus gemacht.

In Deutschland gibt es für fast alle Lebensbereiche Regeln. Welche der unzähligen Verbote nehmen Sie ausnahmsweise ernst?

Ich nehme Regeln grundsätzlich ernst, aber ich hinterfrage sie. Und wenn es eine Regel gibt, die ich für mich nicht akzeptieren kann, dann erlaube ich mir gegen diese Regel zu verstoßen, solange ich damit niemandem Schaden zufüge.

 

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Sie verwandelt Verbote in in Schilder mit Liebesbotschaften: Die Künstlerin Barbara

 

Welcher Reiz verbirgt sich für Sie hinter dem Verbotenen?

Nicht das Verbot an sich ist reizvoll, sondern die Möglichkeit, damit zu spielen.

Mit Ihrer Kunst verändern Sie den Sinn von Werbeplakaten, Schildern, Zeichen und geben über den öffentlichen Dialog Denkanstöße. Angenommen Sie würden im Straßenbauamt arbeiten, welche Art von Schildern würden Sie selbst unbedingt einführen und öfters aufstellen?

Ich möchte den Damen und Herren vom Straßenbauamt nicht ins Handwerk pfuschen und keine Empfehlungen geben, ganz im Gegenteil, ich arbeite mit denen Hand in Hand. Die verteilen liebevoll ihre Schilder in den Städten und ich wertschätze sie mit meinen kleinen Spielereien.

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Jedes Schild der Künslterin Barbara zeigt eine andere Liebesbotschaft

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Danke, Barbara!

 

Wie gehen Sie vor, wenn Sie Schilder „verschönern“?

Am Anfang ist da immer eine Idee, dann wäge ich ab ob mein Eingriff in irgendeiner Weise eine Gefährdung für Passanten darstellen könnte. Wenn alles passt, setze ich meine Idee um. Dazu brauche ich mein Laptop, einen Drucker, Papier, Schere und ein paar geheime Zauberzutaten, die ich nicht verraten kann.

Wie lange bleibt die Kunst in der Regel erhalten?

Manchmal nur wenige Minuten oder Stunden, manchmal auch einige Tage oder Wochen. Je nach Ort und Witterung.

 

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Die Künstlerin Barbara zeigt mit ihren Schildern: Liebe geht eben vor!

 

An welchem Ort begann diese kunstvolle Revolution?

In meinem Kopf und in meinem Herz.

In welchen Städten (Vierteln) kann man bisher Ihre Kunst bewundern?

Hauptsächlich bin ich in Berlin, dort überwiegend in Friedrichshain und Kreuzberg und sonst in der Rhein-Neckar-Region aktiv. Aber ich hinterlasse meine Botschaften überall wo ich bin. Und ich bin gerne und viel unterwegs.

 

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Welche Stadt wäre das nächste Ziel?

Wien. Ich muss dringend nach Österreich.

Auch München braucht Künstler wie Sie. Steht diese Stadt auch auf Ihrer Liste?

Eine Stadt, die Meister Eder und den Pumuckl hervorgebracht hat, müsste doch wunschlos glücklich sein. München war der Sehnsuchtsort meiner Kindheitsträume. Wegen Pumuckl, ich habe ihn geliebt. Ich liebe ihn immer noch. Und Meister Eder sowieso.

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Cover des Fotobuches: Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle – Ich (k)lebe, also bin ich

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Erhältlich für 12,99 Euro im Olineshop des LübbeVerlages

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Love in Mind #25

Die Frage aller Fragen. Und auch dieses Tages. Ich hoffe, dass ihr sie so oft wie möglich mit JAAAA beantworten könnt. Genießt die Sonne und dass ihr so seid, wie ihr seid. Eure Anne

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3 Fragen über die Liebe an: ESC-Kandidatin Alexa Feser

ESC Kandidatin Alexa Feser singt Glück von ihrem Album Das Gold von Morgen

Poetisch, einfühlsam und ehrlich: So sind die Songs von ESC-Kandidatin Alexa Feser. Mit ihrer einzigartigen Stimme und gänsehautverdächtigen Klavierbegleitungen singt sie sich unbeschwert in der Liga von Alicia Keys – und dabei steht die Wahlberlinerin mit ihrem neuen Album und der dazugehörigen Tour „Gold von Morgen“ noch am Anfang ihrer Karriere. Ein kurzes Gespräch über die Liebe.
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So schafft es Sofia, den Verlust ihrer Eltern zu bewältigen

„Wasser kann flüssig sein, kann verdampfen, kann gefrieren. Warum soll also die Energie eines Menschen verschwinden?“

Sofia ist 19, als sie ihren Vater in den Himmel verabschieden muss. Fünf Jahre später, am gleichen Wochentag und um exakt die gleiche Zeit, holt er ihre Mama dazu. Sie hat jetzt zwei Schutzengel mehr, die von ganz oben jeden Schritt, den sie auf der Erde tut, beobachten. Doch ihr Leben im Hier und Jetzt geht weiter. Wie sie mit dem Abschied, der Trauer und dem Weitermachen umgeht, erzählt sie heute auf meinem Blog.

 

 Jeder ist irgendwann einmal davon betoffen und trotzdem ist der Tod das größte Tabuthema. Freunde, Bekannte oder Kollegen wissen manchmal gar nicht, wie sie reagieren sollen oder helfen können, obwohl sie gerne wollen. Was hättest du dir von diesen Personen gewünscht?

Es hätte mir gut getan, wenn sie einfach gefragt hätten, wie es mir geht. Ich habe von niemandem erwartet, dass er meinen Psychologen spielt, aber viele haben so getan, als wäre nichts passiert. Natürlich aus lauter Angst, dass sie was Falsches sagen. Aber zu fragen, wie es einem geht, ob man reden möchte oder ob man einem was Gutes tun kann, damit kann man nichts falsch machen. Wenn derjenige nicht darüber sprechen will, wird er es einem sagen. Aber zumindest hat man dann das Gefühl, dass die Leute an einen denken und man somit nicht komplett alleine mit der Sache fertig werden muss. Zu sagen „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“ ist meiner Meinung nach eine schlechte Ausrede, man drückt sich lediglich davor, sich mit einem „negativen“ Thema zu beschäftigen. Wenn man den Mut hat, diesen Standpunkt zu überwinden und zu fragen, wird derjenige es einem danken. So war es zumindest bei mir.

Deine Lieben sind gegangen, aber der Schmerz über den Verlust deiner Eltern ist geblieben. Wie schaffst du es, das zu verarbeiten?

Ich gehe durch den Schmerz und schiebe ihn nicht weg. Das kann sehr weh tun und man konfrontiert sich mit vielen schlimmen (aber auch schönen) Erinnerungen. Nur so kann es mit der Zeit besser werden und man kann irgendwann damit Frieden schließen. Meiner Meinung nach kommen alle Gefühle, die man ignoriert und verdrängt, früher oder später wieder hoch. Wenn mir also nach Heulen zumute ist, dann heul ich eben – dafür geht es mir danach auch wieder besser.

Wie tankst du neue Kraft, wenn dich die Gefühle deiner Vergangenheit einholen und schwächen?

Am meisten helfen mir die lieben Menschen um mich herum, bei denen ich weiß, dass es kein Problem ist, meine Gefühle zu zeigen. Menschen mit starken Schultern und großen Herzen, die sich auch nicht scheuen, nachzuhaken, wenn ich ihnen von meinen Eltern erzähle. Ich kann sie zwar an einer Hand abzählen, aber dafür sind sie Gold wert. Ansonsten hat mir oft geholfen, mir meinen MP3-Player zu packen und alleine einen Spaziergang in die Natur oder die Berge zu machen. Nach einer Stunde ist der Kopf wieder frei. Das ist eine ganz simple Therapie für mich.

Wie beruhigst du dich in Phasen tiefer Trauer?

Ich habe für mich beschlossen, dass niemand einfach weg ist, nur weil er stirbt. Ich sehe das wie Aggregatszustände: Wasser kann flüssig sein, kann verdampfen, kann gefrieren. Warum soll also die Energie eines Menschen verschwinden. Sie geht meiner Meinung nach nur von einem Aggregatszustand (dem sichtbaren Körper) in einen anderen (nicht mehr sichtbar, aber deshalb nicht weniger vorhanden) über. Deshalb weiß ich auch, dass die beiden noch da sind und ich rede mit ihnen, wenn mir danach ist. Ich stelle mir auch manchmal vor, dass sie im Bayrischen Himmel sitzen wie beim „Brandner Kasper“ und dann freu ich mich selbst schon auf da oben, aber das ist eine andere Geschichte.

Gab es auch Bücher, die dir weitergeholfen haben und die du empfehlen kannst?

Sicher findet man auch in der Literatur immer wieder das Thema Trauer und Tod. Mir haben die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross „Über den Tod und das Leben danach“ und Byron Katies Bücher über „The Work“ (dazu gibt es auch eine Website) geholfen.

Was hat sich durch diese Schicksalsschläge in deinem Leben geändert?

Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Nach dem Tod meiner Mama musste ich mich plötzlich um Dinge kümmern, von denen ich bis dato keine Ahnung hatte, weil sie sie immer für mich erledigt hat. Mein Schicksal hatte offensichtlich den Plan, mir mit 25 diese Lektion zu erteilen. Und es ist gut so, ich bin nun komplett selbstständig, lebe mein Leben ohne Hilfe von außen.

Wie schaffst du es, mit deinem Schicksal Frieden zu schließen?

Ich glaube, alle Dinge im Leben passieren, weil sie passieren sollen. Für mich gibt es keine Zufälle, sondern einen vorbestimmten Weg. Alles was mir widerfährt, vor allem die vermeintlich negativen Dinge, verstehe ich als Lektionen. Sie passieren aus einem bestimmten Grund. Und wenn man genau hinsieht (und das auch möchte), wird man etwas daraus lernen. Es mag vielleicht im ersten Moment sehr makaber klingen, aber in den meisten Fällen kann man sogar etwas Positives daraus ziehen.

Kannst du das genauer beschreiben?

Ja. Ich habe mich of gefragt, warum mein Papa acht Monate auf der Intensivstation leiden musste, und warum es nicht einfach ein Herzinfarkt hätte sein können. Heute weiß ich, dass meine Mutter und ich so die Möglichkeit hatten, noch sehr intensiv und bewusst viel Zeit miteinander zu verbringen. Wir sind sehr liebevoll miteinander umgegangen. Ich hatte die Zeit, meinem Papa zu sagen, dass er der beste Papa auf Erden ist. Das alles hätte ich nicht gekonnt, wenn es von heute auf morgen passiert wäre. Eine positive Antwort auf meine Frage: „Warum hat mich meine Mama auch noch alleine gelassen?“ zu finden, war nicht so leicht. Aber der Gedanke, dass die beiden am selben Wochentag und zur selben Uhrzeit gegangen sind, stimmt mich versöhnlich. Mir ist plötzlich klar geworden, dass mein Vater meine Mutter zu sich geholt hatte oder sie einfach zu ihm musste.

Also kannst du jetzt sogar verstehen, warum alles so gekommen ist?                                                                                    

Ja. Meiner Mutter ging es die letzten Jahre nicht gut ohne meinen Vater. Es war also die logische Konsequenz. Und wenn man nicht strikt daran festhält, dass der Tod etwas Schlimmes und Negatives ist, kann man sich auch mit der Person freuen, dass es ihr nun gut geht. Zu sagen, „Du hättest mich nicht verlassen sollen, mir geht es schlecht ohne dich“, ist in meinen Augen ein wenig egoistisch. Ich habe noch vor nicht allzu langer Zeit selbst so gedacht. Aber fairer ist es, sich mit der Person zu freuen, die von ihrem Leiden befreit wurde. Gerade wenn sie einem sehr am Herzen gelegen hat. Man selbst kommt sowieso früher oder später hinterher und sieht sich wieder.

Wie hat dein Schicksal dich verändert? 

Mein Schicksal hat mich stärker gemacht. Ich habe jetzt schon das wahrscheinlich Schlimmste hinter mir und deswegen muss ich da nicht noch einmal hindurch. Manche würden wohl sagen, dass ich gerne träume und mir mein Denken gern zurechtlege. Ja, ich drehe es so hin, dass es für mich irgendwie Sinn macht. Aber ich weiß besser denn je, dass es sich genau so gut anfühlt und komme gut damit zurecht. Das heißt nicht, dass mir die beiden manchmal nicht unglaublich fehlen und ich deshalb sehr traurig bin, aber meine Denkweise bringt mich aus den Tiefs dann auch wieder schnell raus.

Was würdest du anderen Menschen gerne sagen, die einen lieben Menschen verloren haben?       

Stellt euch euren schmerzlichen Gefühlen und akzeptiert sie. Nur so werden sie irgendwann kleiner und vergehen. Redet mit vertrauten Menschen darüber. Man findet mit der Zeit diejenigen, mit denen das am besten geht. Und wenn ein bisschen Zeit vergangen ist, dann versucht, die Geschichte aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Vielleicht sogar mit dem Ziel, dass man irgendwann sogar etwas Positives daran findet.

 

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Nach der Trauer ist trotzdem noch Platz für Glück und Freiheit: Sofia hat sich auf Weltreise begeben .

 

 

 

 

 

 

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Love in Mind #24

Spätestens seit dem Film „König der Löwen“ kennt wohl fast jeder den Ausruf „Hakuna Matata“. Er kommt aus dem Afrikanischen und bedeutet so viel wie: „Es gibt keine Probleme“ oder „Alles ist in bester Ordnung“. Eine schöne Erinnerung, das Leben zu lieben und mit Leichtigkeit zu nehmen. Der perfekte Ohrwurm ist es obendrein. Schönes Wochenende!

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Selbstliebe, Glück und Zufriedenheit – Ein Gespräch mit der Gründerin der University of Happiness

„Unser Leben ändern nur wir selbst“

Simone Debour, 45, hat eine ganz besondere Profession: Sie ist die Gründerin der Online-Plattform „University of Happiness“ und bringt ihren „Studenten“ bei, wie Glücklichsein geht.

Frau Debour, Sie beschäftigen sich ständig mit dem Glück. Was macht Sie persönlich denn glücklich?

Allein schon, wenn ich morgens aufwache und meinen Mann neben mir spüre. Ich liebe auch schöne Blumensträuße, freue mich über ein Lob oder ein liebes Wort von einer Freundin. Und auch wenn wir im Job lachen können oder ich Zeit zum Lesen finde, fühlt sich das für mich wie Glück an.

Und wie finden Sie an einem richtig schlechten Tag zum Glück zurück?

Normalerweise bin ich kein Fan von Fertiggerichten, aber wenn es mir wirklich nicht gut geht, dann setze ich mich gerne mit Spaghetti von Mirácoli, meinem Lieblingsgericht aus Kindertagen, vor den Fernseher und schaue mir romantisch-kitschige Frauen- oder Märchenfilme an. Das hilft mir.

Was kann ich selbst tun, um glücklicher zu werden?

Wenn man unglücklich ist, will man unbedingt etwas ändern, weiß aber nicht genau, was und wie. Ein guter Anfang wäre in dem Fall, sich eine Liste zu schreiben, bei der man ehrlich mit sich selbst ist und aufschreibt, was einen unzufrieden macht. So fällt es leichter, im Kopf aufzuräumen. Bei dem Prozess stellt man vielleicht fest: „Das, was mich so im Job stresst, ist nicht der Job selbst, sondern, dass ich die Arbeit von meinen Kollegen mit erledige und dadurch keine Zeit für meine eigenen Aufgaben habe.“ Meine Faustregel ist immer: In sich hineinhören und die Schuld nie anderen Menschen in die Schuhe schieben! Denn unser Leben ändern nur wir selbst.

Um vielen Leuten das Glücklichsein zu lehren, haben Sie die University of Happiness gegründet. Woher kam die Idee?

Bevor ich die Universität gründete, führte ich meinen eigenen TV-Sender, den ich leider aufgeben musste. Doch dann begann für mich eine sehr kreative und freie Phase. Ich sprach mit Freunden, Bekannten, Psychologen, Ärzten und Heilern, las Studien und tauschte mich aus. Eine Sache ist mir dabei besonders aufgefallen: Die Menschen jammerten viel, konzentrierten sich auf das Schlechte in der Welt und sahen sich in der „Opferrolle“ gefangen. Kein Wunder: Täglich werden uns Kriege, Krankheiten und Krisen in den Medien serviert. Ich wollte diese Angst und Panik nicht mehr. Ich wollte etwas ändern.

Wie werde ich Student der University of Happiness?

Es gibt ein Jahresabo oder die Möglichkeit, einzelne Kurse zu buchen.

Ihre Glückskurse bestehen hauptsächlich aus kurzen Videos. Warum?

Das ist ganz einfach: Ich kann hundert Seiten eines Buches in drei Video-Minuten komprimieren und die Glücksbotschaften schneller verbreiten. Die Menschen sind zwar gestresst, aber drei Minuten Zeit hat jeder am Tag übrig.

Wie muss man sich so eine „Glücks-Vorlesung“ vorstellen?

Jeder der angebotenen Kurse ist mit Psychologen abgestimmt. Der kleine Glückskurs mit 31 kurzen Übungen für den Alltag richtet sich an Einsteiger. Jemand, der wirklich in die Tiefe gehen möchte, sollte sich aber intensiver mit seinen innersten Themen beschäftigen. Bei ganz vielen Menschen ist das die mangelnde Selbstliebe.

Sich selbst lieben ist leichter gesagt als getan – und doch ist es der Grundstein des Glücks. Wie geht man den ersten Schritt in Richtung Selbstliebe?

Ich finde es wichtig, dass man seine eigenen Grenzen kennt und versucht, diese auch einzuhalten. Wenn man sie akzeptiert, geht man auch liebevoll mit sich selbst um, weil man sich selbst für seine Bedürfnisse nicht mehr kritisieren muss. Wenn der Vergleich aufhört, hört auch die Selbstkritik auf.

Nur an seine eigenen Bedürfnisse zu denken ist aber meinen Mitmenschen gegenüber ein wenig egoistisch, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich kann nur anderen etwas geben, wenn mein eigener Akku voll ist. Und deswegen muss ich für mich die eigene beste Freundin sein. Wenn andere daran beteiligt sind, kann man das ja auch liebevoll formulieren, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen.
Und wie kann man diese „Selbstliebe“ kultivieren?

Es gibt ganz kleine Tricks, die lächerlich klingen, aber wirklich funktionieren. Man kann sich vor den Spiegel stellen und sagen „Ich liebe dich“. Oder an jedem Spiegel, an dem man vorbeikommt, sich mal anlächeln. Meistens stehen wir nämlich vor dem Spiegel und sehen nur das, was uns stört und loben uns nicht. Selten denken wir dabei: Wow, ich bin gut so, wie ich bin. Je öfter man so etwas tut, desto nachhaltiger ist der Effekt.

Jeder Mensch geht durch Höhen und Tiefen in seinem Leben. Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen ein Hindernis in den Weg gelegt wird?

Wenn etwas wirklich schief geht, dann frage ich mich, warum es schief gegangen ist und wenn es keine Lösung für ein Problem gibt, dann mache ich innerlich einen Haken dran, weil ich die Vergangenheit einfach nicht ändern kann. Was ich noch beeinflussen kann, empfinde ich nicht mehr als Hindernis, sondern eher als Sport. Im Jahre 1983 habe ich meine Mutter und einige Verwandte verloren. Alle in einem Jahr. Danach hat sich in meinem Leben alles relativiert. Viele Ärgernisse erschienen und erscheinen eher banal und ich blende sie deswegen automatisch aus. Es bringt ja nichts meine Lebenszeit mit Ärger zu vertrödeln.

Glück muss man scheinbar jeden Tag aufs Neue lernen… Haben Sie ein Ritual, das Ihnen dabei hilft, glücklich zu bleiben?

Ja. Ich falte gerne meine Hände vor der Brust und halte inne. Ein Satz, den ich mir dabei öfters sage, ist: Ich bin dankbar, dass ich hier bin. Das versuche ich auch immer wieder zu fühlen. Sooft ich kann.

Mehr Infos übers Glück und wie man glücklich wird, findet ihr hier: www.universityofhappiness.de