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Selbstliebe, Glück und Zufriedenheit – Ein Gespräch mit der Gründerin der University of Happiness

„Unser Leben ändern nur wir selbst“

Simone Debour, 45, hat eine ganz besondere Profession: Sie ist die Gründerin der Online-Plattform „University of Happiness“ und bringt ihren „Studenten“ bei, wie Glücklichsein geht.

Frau Debour, Sie beschäftigen sich ständig mit dem Glück. Was macht Sie persönlich denn glücklich?

Allein schon, wenn ich morgens aufwache und meinen Mann neben mir spüre. Ich liebe auch schöne Blumensträuße, freue mich über ein Lob oder ein liebes Wort von einer Freundin. Und auch wenn wir im Job lachen können oder ich Zeit zum Lesen finde, fühlt sich das für mich wie Glück an.

Und wie finden Sie an einem richtig schlechten Tag zum Glück zurück?

Normalerweise bin ich kein Fan von Fertiggerichten, aber wenn es mir wirklich nicht gut geht, dann setze ich mich gerne mit Spaghetti von Mirácoli, meinem Lieblingsgericht aus Kindertagen, vor den Fernseher und schaue mir romantisch-kitschige Frauen- oder Märchenfilme an. Das hilft mir.

Was kann ich selbst tun, um glücklicher zu werden?

Wenn man unglücklich ist, will man unbedingt etwas ändern, weiß aber nicht genau, was und wie. Ein guter Anfang wäre in dem Fall, sich eine Liste zu schreiben, bei der man ehrlich mit sich selbst ist und aufschreibt, was einen unzufrieden macht. So fällt es leichter, im Kopf aufzuräumen. Bei dem Prozess stellt man vielleicht fest: „Das, was mich so im Job stresst, ist nicht der Job selbst, sondern, dass ich die Arbeit von meinen Kollegen mit erledige und dadurch keine Zeit für meine eigenen Aufgaben habe.“ Meine Faustregel ist immer: In sich hineinhören und die Schuld nie anderen Menschen in die Schuhe schieben! Denn unser Leben ändern nur wir selbst.

Um vielen Leuten das Glücklichsein zu lehren, haben Sie die University of Happiness gegründet. Woher kam die Idee?

Bevor ich die Universität gründete, führte ich meinen eigenen TV-Sender, den ich leider aufgeben musste. Doch dann begann für mich eine sehr kreative und freie Phase. Ich sprach mit Freunden, Bekannten, Psychologen, Ärzten und Heilern, las Studien und tauschte mich aus. Eine Sache ist mir dabei besonders aufgefallen: Die Menschen jammerten viel, konzentrierten sich auf das Schlechte in der Welt und sahen sich in der „Opferrolle“ gefangen. Kein Wunder: Täglich werden uns Kriege, Krankheiten und Krisen in den Medien serviert. Ich wollte diese Angst und Panik nicht mehr. Ich wollte etwas ändern.

Wie werde ich Student der University of Happiness?

Es gibt ein Jahresabo oder die Möglichkeit, einzelne Kurse zu buchen.

Ihre Glückskurse bestehen hauptsächlich aus kurzen Videos. Warum?

Das ist ganz einfach: Ich kann hundert Seiten eines Buches in drei Video-Minuten komprimieren und die Glücksbotschaften schneller verbreiten. Die Menschen sind zwar gestresst, aber drei Minuten Zeit hat jeder am Tag übrig.

Wie muss man sich so eine „Glücks-Vorlesung“ vorstellen?

Jeder der angebotenen Kurse ist mit Psychologen abgestimmt. Der kleine Glückskurs mit 31 kurzen Übungen für den Alltag richtet sich an Einsteiger. Jemand, der wirklich in die Tiefe gehen möchte, sollte sich aber intensiver mit seinen innersten Themen beschäftigen. Bei ganz vielen Menschen ist das die mangelnde Selbstliebe.

Sich selbst lieben ist leichter gesagt als getan – und doch ist es der Grundstein des Glücks. Wie geht man den ersten Schritt in Richtung Selbstliebe?

Ich finde es wichtig, dass man seine eigenen Grenzen kennt und versucht, diese auch einzuhalten. Wenn man sie akzeptiert, geht man auch liebevoll mit sich selbst um, weil man sich selbst für seine Bedürfnisse nicht mehr kritisieren muss. Wenn der Vergleich aufhört, hört auch die Selbstkritik auf.

Nur an seine eigenen Bedürfnisse zu denken ist aber meinen Mitmenschen gegenüber ein wenig egoistisch, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich kann nur anderen etwas geben, wenn mein eigener Akku voll ist. Und deswegen muss ich für mich die eigene beste Freundin sein. Wenn andere daran beteiligt sind, kann man das ja auch liebevoll formulieren, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen.
Und wie kann man diese „Selbstliebe“ kultivieren?

Es gibt ganz kleine Tricks, die lächerlich klingen, aber wirklich funktionieren. Man kann sich vor den Spiegel stellen und sagen „Ich liebe dich“. Oder an jedem Spiegel, an dem man vorbeikommt, sich mal anlächeln. Meistens stehen wir nämlich vor dem Spiegel und sehen nur das, was uns stört und loben uns nicht. Selten denken wir dabei: Wow, ich bin gut so, wie ich bin. Je öfter man so etwas tut, desto nachhaltiger ist der Effekt.

Jeder Mensch geht durch Höhen und Tiefen in seinem Leben. Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen ein Hindernis in den Weg gelegt wird?

Wenn etwas wirklich schief geht, dann frage ich mich, warum es schief gegangen ist und wenn es keine Lösung für ein Problem gibt, dann mache ich innerlich einen Haken dran, weil ich die Vergangenheit einfach nicht ändern kann. Was ich noch beeinflussen kann, empfinde ich nicht mehr als Hindernis, sondern eher als Sport. Im Jahre 1983 habe ich meine Mutter und einige Verwandte verloren. Alle in einem Jahr. Danach hat sich in meinem Leben alles relativiert. Viele Ärgernisse erschienen und erscheinen eher banal und ich blende sie deswegen automatisch aus. Es bringt ja nichts meine Lebenszeit mit Ärger zu vertrödeln.

Glück muss man scheinbar jeden Tag aufs Neue lernen… Haben Sie ein Ritual, das Ihnen dabei hilft, glücklich zu bleiben?

Ja. Ich falte gerne meine Hände vor der Brust und halte inne. Ein Satz, den ich mir dabei öfters sage, ist: Ich bin dankbar, dass ich hier bin. Das versuche ich auch immer wieder zu fühlen. Sooft ich kann.

Mehr Infos übers Glück und wie man glücklich wird, findet ihr hier: www.universityofhappiness.de

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