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Warum es wichtig ist, dass wir von Herzen streiten – und 5 Dinge, die wir dabei gerne vergessen

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Sie kommen, wann sie wollen und schaukeln sich hoch: Konflikte, Streits, Beziehungskrisen und welche Namen sie noch so tragen. Damit ihr das nächste Mal besser vorbereitet seid, gibt es hier Tipps, wie ihr euch konstruktiver und einfach besser streiten könnt. Denn bei einer Sache sind wir uns doch einig: So ganz ohne Streits wäre es ja auch langweilig!

Manchmal ist es Zeit zum Streiten. Damit meine ich nicht, dass es Zeit ist, sich endlich gegenseitig in der Luft zu zerreißen. Vielmehr ist es eine Möglichkeit, sich selbst anders kennenzulernen und gespiegelt zu werden. Genau dann, wenn wir selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen oder sonstigen Windmühlen hinterherjagen. Miteinander zu sprechen wird insbesondere dann wichtig, wenn eigene Grenzen überschritten werden oder man sich selbst im Beisammensein mit anderen nicht mehr richtig wohl oder bei sich selbst fühlt.

Bei einem Streit streit meldet sich auch das innere Kind zu Wort

Für mich sind Ich-Botschaften und die Absicht der Auseinandersetzung wichtig. Bei sich bleiben, von sich und den eigenen Gefühlen sprechen, die der andere zwar auslöst, aber nur selten dafür verantwortlich ist. In der Auseinandersetzung mit Freunden, Familie, Partnern oder Kollegen etc. werden, aufbauend auf unseren ganz persönlichen Lebenserfahrungen und Lernkontexten, oft unliebsame innere Anteile laut. Wir sprechen hier beispielsweise von unserem inneren Kind oder innerem Kritiker. Das sind Persönlichkeitsanteile, die jeder Mensch besitzt. Und doch unterscheiden sie sich zwischen uns Individuen.

Diese Anteile repräsentieren häufig (kindliche) seelische Verletzungen und Ängste, welche in Abhängigkeit von verschiedenen Auslösern (Menschen oder Situationen) aktiviert werden und das „Ruder übernehmen können“.  Und je nachdem, wie stark die Ich-Identifikation mit solchen Anteilen ist, tappen wir in unsere individuelle Gefühlsfalle und fühlen uns dabei nicht selten wieder wie kleine Kinder.

 

„Streits sind unangenehm, fordern uns heraus und bringen uns an unsere Grenzen. Aber ein so ehrliches Feedback – wie in einem Streitgespräch – bekommt man sehr selten.“

 

Wer besser Streiten will, muss ein guter Beobachter werden!

Um unsere Wallungen dennoch kontrollieren zu können, ist es wichtig zu erkennen, welcher Anteil in welchen Situationen aktiv ist. Wir haben da ja auch noch den inneren, gesunden Erwachsenen. Dieser repräsentiert eine liebende Mutter und einen liebenden Vater (aber nicht zwingend die eigenen biologischen Eltern). Er steht für das Gesunde, das Schützende und Zuversichtliche in unserem Leben. Es ist daher ganz wichtig zu schauen, wann, mit wem und  in welchen Situationen man sich „klein und verletzt“ (eifersüchtig, schlecht behandelt, minderwertig, wütend etc.) fühlt. Und wie Situationen beschaffen sind, in denen wir uns wohl und geliebt fühlen.

Welche Menschen genau sind das  in unserem Leben, von denen wir uns akzeptiert und gesehen fühlen, sodass wir die kindlichen Anteile weniger brauchen, um gehört und gesehen zu werden? Wenn wir lernen, uns wirklich gut zu beobachten, hilft uns das auch im Streit. Dann rasten wir nicht impulsgesteuert aus und sind beleidigte Leberwürste, sondern können die Situation aus der Distanz beobachten und erkennen, was da in uns eigentlich in der Situation von anderen ausgelöst wurde. Oft sind das Gefühle, die wir aus Kindertagen kennen.

Ein guter Streit bringt dir ehrliches Feedback à la Carte

Streits sind unangenehm, fordern uns heraus und bringen uns an unsere Grenzen. Aber ein so ehrliches Feedback wie in einem Streitgespräch bekommt man sehr selten. Und deswegen kann man einen Streit auch als Geschenk betrachten. Oder? Wenn ihr es richtig angeht, dann kann es vielleicht sogar ein richtig großes Geschenk sein. Eines, das euch weiterbringt und gemeinsam mit eurem Partner wachsen lässt.

Besser Streiten in der Beziehung

Fünf Tipps, die wir beim Streiten sehr gerne vergessen:

1. Atme tief durch und lass dir Zeit.

Wenn du unmittelbar emotional erregt und wütend bist, versuche aus der Situation erst einmal rauszugehen und Abstand zu gewinnen. Das kann helfen, keine Worte aus der Verletzung oder Wut heraus zu verwenden, welche du später bereuen könntest.

2. Formuliere Ich-Aussagen und beschreibe, welche Gefühle in dir ausgelöst werden.

Beispiel: „Ich fühle mich ungerecht behandelt und spüre Wut.“ Oder „Es macht mich traurig, wenn…“ oder „Deine Worte/Taten lösen in mir … aus.“

3. Fehler sind menschlich!

Wenn ein Mensch, der dir wichtig ist, eigenes Fehlverhalten einsehen kann, eine aufrichtige Veränderungsmotivation zeigt und das Vergangene nicht unvereinbar mit deinen eigenen Idealen und Werten ist, gib dir einen Ruck und versuche zu verzeihen! Andauernder Groll kostet auf die Dauer oft mehr Kraft.

4. Überprüfe die Absicht deiner Klagen oder Auseinandersetzung!

Möchtest du dich abgrenzen, um dich oder andere zu schützen? Möchtest du künftige Änderungen, um die Beziehung im Grunde zu verbessern oder zu retten? Oder möchtest du einfach nur andere verletzen, so wie du vielleicht verletzt wurdest? Letzteres kann ziemlich erschreckend sein und sich im Nachgang sehr schlecht anfühlen. Und was einmal gesagt wurde, kann man nicht mehr zurücknehmen.

5. Hab Mut zur Veränderung und sprich Missstände offen an!

Zwischenmenschliche Beziehungen werden sich, genauso wie du, selbstständig weiterentwickeln und verändern. Je eher du bemerkst, wo eigene Werte oder Gefühle durch andere verletzt werden, desto handlungsfähiger bist du. Je offener du mit Missmut oder Verletzlichkeit umgehst, desto eher hat auch dein Gegenüber eine faire Chance, sich zu erklären und einen Einblick in deine Sichtweise und Gefühlswelt zu erhalten. (Und wenn du kein guter Schauspieler bist, wird man es eh meist von alleine merken, sodass du es auch einfach direkt ansprechen kannst).

Lisa_Daneck

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