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Vipassana-Premiere: Das ist mit mir passiert, als ich 10 Tage meditiert habe

Meditieren ja, aber wie anfangen? Hannah hatte genau diesen Konflikt im Kopf und ist am Ende bei einer Vipassana-Meditation gelandet. Lest hier, was sie dort erlebt hat.

Für ein Schweige-Retreat entscheidet man sich nicht einfach so. Was hat dich dazu bewegt?

Ich wollte schon länger meditieren, habe aber nie richtig den Anfang gefunden. Es gibt so viele Arten. Ich habe viele Gedanken in meinem Kopf und viele Emotionen in meinem Körper. Diese überwältigen mich manchmal. Ich erwartete, dass die Meditation eine gewisse Balance bringt. Oder mir Mittel und Wege aufzeigt, wie ich damit besser umgehen kann.

Wo hast du deine erste Vipassana-Meditation erlebt?

In Triebel. Das liegt an der tschechischen Grenze. Die Anlage ist sehr abgelegen. Es gibt dort verschiedene Häuser. Das Haupthaus Schlafräume und eine große Meditationshalle mit einer Wiese und einem Waldstück zum Spazieren. Frauen und Männer absolvieren den Kurs getrennt voneinander. Die Anlage ist eingezäunt, um Störungen von außen zu vermeiden. Man kann aber zu jeder Zeit gehen und das Eingangstor ist immer offen.

Wie muss man sich eine Vipassana-Meditation vorstellen?

Es ist eine Achtsamkeitsmediation, man fühlt dabei seinen Körper, ohne es zu bewerten. Es dreht sich um alles, was gerade in diesem Moment in deinem Körper an einer bestimmten Stelle zu fühlen ist. Da wir in unserem Alltag ständig abgelenkt sind, haben wir aufgehört, kleinste Signale unseres Körpers wahrzunehmen. Auf meinen Reisen erfuhr ich von Vipassana und deshalb wollte ich es einfach auch mal ausprobieren.

War es, so wie es andere dir erzählt haben?

Ja, ich bin wirklich zur Ruhe gekommen! Das bedeutet im Übrigen auch, dass ich keinen Zugang mehr zu jeglicher Ablenkung hatte: kein Augenkontakt, keine Mimiken und Gestiken zu anderen Teilnehmern. Kein Lesen, kein Schreiben, kein Sport, kein Yoga, keine Musik. Langweilig war mir aber nie.

Ab wann musstest du schweigen und wie hast du dich in den ersten Tagen gefühlt?

Das Schweigen geht am Abend des Anreisetages los. Mir ist das Schweigen am Anfang nicht schwergefallen. Ich war allerdings sehr müde und habe viel geschlafen. Das ist eine normale Reaktion des Geistes, der will ständige Ablenkung und möchte keine Ruhe. Auch Impulsen standzuhalten, wie zum Beispiel einfach in einer Meditationssitzung aufzustehen und aus dem Raum zu gehen, das sind normale Reaktionen des Geistes. Aber ihm zu widerstehen gelang mir von Tag zu Tag besser.

Wie sah das dein Tagesprogramm aus?

Es wird jeden Tag bis zu zehn Stunden meditiert. In der Zwischenzeit wird gegessen, geschlafen und man kann sich draußen die Beine vertreten und spazieren gehen.

In diesem 10-Tages-Kurs gehören die ersten vier Tage der Anapana Meditation. Bei dieser Meditation konzentriert man sich auf die Atmung im Bereich der Nase, Oberlippe und dem Bereich zwischen Nase und Oberlippe. Dort fühlt man wie die Luft einströmt und wieder ausströmt. Das ist die Hauptaufgabe für die ersten vier Tage, denn mit dieser Technik soll der Geist beruhigt werden und man lernt, sich länger auf eine kleine Sache zu konzentrieren.

Und nach den ersten vier Tagen?

Danach ist der Geist/Körper vorbereitet, um kleinste Veränderungen wahrzunehmen. Diese sind ganz normale Gefühle, wie ein Kribbeln, Pieken, Schmerzen, Hitze oder Kälte.

Dann „scannt“ man seinen Körper Stück für Stück und nimmt wahr, was gerade passiert, ohne es zu bewerten oder es abzulehnen (Schmerz) oder daran zu haften (Wohlsein).

Dadurch lernt man das alles vergänglich ist. Die Empfindungen im Körper, wie schmerz oder Wohlsein, sowie alles andere auch in unserem Leben. Situationen, Traurigkeit auch das Glücklich sein.

Wie bist du mit der Art zu meditieren klargekommen?

Sehr gut, es sind immer wieder Gedanken hochgekommen. Ich lernte aber dies auch anzunehmen, zur Meditation zurück zu kehren und weiter zu machen.

Welche Erkenntnis hat dich am meisten geflashed?

Dass man im Leben eigentlich nicht viel braucht ausser ein Dach über den Kopf und etwas zum Essen. Mir ist dort bewusst geworden, wie viel unsinnige Dinge ich konsumiere und wie wir in unserer Gesellschaft regelrecht zum Konsumieren animiert werden. Es ist schwer da zu widerstehen.

Wann kam der Moment, an dem du abbrechen wolltest?

Am Tag vier, ich wollte endlich mal wieder jemanden umarmen, eine Pizza essen, Musik hören und mit jemanden sprechen.

Wie hast du dich weiter motiviert?

Ich habe mit der Meditationslehrerin gesprochen. Sie hat mir gesagt, dass es sehr normal ist. Danach habe ich einfach weitergemacht.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Man hat keinen Kontakt zu den anderen Teilnehmern aber irgendwie verbindet einen etwas. Und die freiwilligen Helfer! Sie geben so viel.

Was war schwierig für dich?

Es durchzuhalten, jeden Tag das gleiche. Das zieht sich wie ein Kaugummi.

Was war einer deiner schönsten Momente?

Ich habe mein Körper am Tag fünf wahrgenommen, so wie ich ihn vorher noch nie wahrgenommen habe: Überall kleinste Empfindungen! Das war ein echtes Erlebnis!

Wie war es, wieder in dein normales Leben einzutauchen?

Ich habe gemerkt, wie viel Energie Reden und Zuhören beansprucht, nach Vipassana lag ich die ersten zwei Nächte mit einem Fiepen im Ohr, wie ich es nach einem Discobesuch kenne, im Bett.

Ich habe dort gelernt Dinge so wie sie sind und kommen anzunehmen. Ich kann mir auch sicher sein, dass nichts Beständig ist. Und wenn wieder eine traurige Phase kommt, kann ich diese gelassener sehen.

Wem kannst du diese Art von Meditation empfehlen?

Jedem der ernsthaftes Interesse hat, zu meditieren und an sich zu arbeiten.

Was muss man dafür mitbringen?

Bequeme Kleidung 😉

Ist Vipassana in deinem Alltag angekommen?

Ja! Ich meditiere jetzt fast täglich.

 

Hanna hat Vipassana ausprobiert und berichtet.

Hannah hat es ausprobiert: Die Vipassana-Meditation.

„Mir ist bei der Vipassana-Meditation bewusst geworden, wie viel unsinnige Dinge ich konsumiere und wie wir in unserer Gesellschaft regelrecht zum Konsumieren animiert werden. Es ist schwer da zu widerstehen.“